Langenegg wird Euro-frei

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Die Bregenzerwälder Gemeinde Langenegg will zwar nicht aus der Euro-Zone austreten, fördert aber die lokale Kaufkraft durch eine eigene Währung. Erstmals kommen die Langenegger Talente „europaweit“ zum Einsatz.

Das seit Jahren funktionierende gutscheinartige System der lokalen Währung in der Bregenzer Wälder Gemeinde wird anlässlich der Verleihung des Europäischen Dorferneuerungspreises (20. bis 22. September 2012) den Gästen praktisch vorgeführt. Die rund 900 Delegierten von 29 Gemeinden aus zwölf Nationen und den über 100 TeilnehmerInnen am Fachforum als auch den Vorarlberger BesucherInnen des Marktes „Europa erleben“ können das Geldsystem am Samstag, 22. September ausprobieren. Drei Tage wird in Langenegg ausschließlich mit Talenten verkauft, gekauft und bezahlt.

Die lokale Währung wurde im Zuge des Dorfladen-Neubaues im Jahr 2008 in Langenegg eingeführt. Sie hat den Sinn, möglichst viel lokale Wertschöpfung im Ort zu binden und wird von 16 Geschäften und Betrieben angenommen. Konsequenter Weise hat die Gemeinde alle Förderausgaben auf die lokale Währung umgestellt. Die Kaufkraft soll ja im Dorf bleiben und die Betriebe im Dorf unterstützen. Bürgermeister Georg Moosbrugger: „Denn es sind ja wieder die Betriebe, welche über die Kommunalsteuer das Geld zurück in die Gemeindekassa bringen.“ Dahinter steckt auch eine plausible wirtschaftliche Vernetzungsphilosophie. Bürgermeister Moosbrugger: „Langenegger Talente verbinden den Bürger mit unserem Nahversorger, den Nahversorger mit der Gemeinde, die Gemeinde mit den Vereinen, die Vereine mit der Sennerei, die Sennerei mit dem Landwirt, den Landwirt mit unserem Nahversorger. Kreisläufe im Ort werden bestmöglich geschlossen.“

Ein Beispiel: Ein Verein braucht für sein Vereinsheim eine neue Beleuchtung. Er bekommt eine Unterstützung von der Gemeinde in Talenten, die er beim örtlichen Elektriker gegen die Fachleistung einlösen kann. Der Elektriker wiederum deckt den Lebensmittelbedarf seiner Familie im Dorfladen. Ein zusätzlicher Vorteil für Talente-Nutzer ist, dass ein Monatsabonnement mit einem Bonus von 3 % verbunden ist.

Als vor rund zwei Jahren die gestrenge Jury Langenegg für den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010 bewertete, stieß das System auf Reaktionen zwischen Skepsis und Ungläubigkeit – das Funktionieren war für die Damen und Herren aus Luxemburg, Deutschland und Österreich schier unvorstellbar. Juryvorsitzender Charles Konnen prüfte das System gar auf seine EU-Tauglichkeit. Jetzt tritt Langenegg den Beweis an und präsentiert das Talente-System aus der Ideenkiste des Unternehmensberaters Gernot Jochum-Müller erstmals „europaweit“.

Zuständig für das Talente-Management anlässlich des großen Europa-Festes ist Gemeindevorstandsmitglied und Banker Christian Nußbaumer. Sein Team wird an drei Tagen eine „Wechselstube“ betreuen, wo Talente gegen Euro eingetauscht werden können. Einheimische wie Gäste zahlen in den Langenegger Geschäften, in der Gastronomie, an den Marktständen sowie bei den Vereinen an den Verköstigungsinseln ausschließlich mit Talenten. Herausgeberin und somit Expertin für die Umsetzung ist die Talente-Genossenschaft, die gerade mit dem Internationalen Medienverbund verschmolzen ist und ihren Namen auf ALLMENDA Social Business eG geändert hat.

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